24.2.2011

Plagiate und Doktortitel

Für Tucholsky hatte das Thema Plagiate eine besondere Bedeutung. War doch die Gründung der Schaubühne, wie sein Leib- und Magenblatt Die Weltbühne bis 1918 hieß, das Resultat einer Plagiatsaffäre gewesen. Sein späterer Mentor Siegfried Jacobsohn hatte als junger Theaterkritiker in der Welt am Montag mehrere Texte veröffentlicht, die Passagen aus früheren Artikeln des Kritikers Alfred Gold enthielten. Am 12. November 1904 hatte das Berliner Tageblatt unter der Überschrift »Ein psychologisches Rätsel« auf die Parallelen aufmerksam gemacht. Jacobsohn selbst versuchte die Übereinstimmungen damit zu erklären, dass sich die »Worte, Bilder, Sätze und ganze Satzfolgen« fremder Autoren eingeprägt hätten, als er für sein Buch Das Theater der Reichshauptstadt recherchiert habe. Das habe ihm dann häufig unmöglich gemacht, »einen eigenen Ausdruck für meinen Eindruck« zu finden. Sein gutes Gedächtnis habe ihm somit einen Streich gespielt, auch in Folge von Überarbeitung.

Doch die Erklärungsversuche verfingen nicht. Die Welt am Montag konnte ihren damals 23 Jahre alten Kritiker nicht mehr halten. Jacobsohn verließ Mitte Dezember 1904 Berlin und kehrte fünf Monate später mit der festen Überzeugung zurück, eine eigene Theaterzeitschrift zu gründen.

Könnte das nicht ein Vorbild in ähnlichen Fällen sein? Einen Schnitt machen und neu anfangen? Tucholsky hat auf jeden Fall davon profitiert und fand in Jacobsohn von 1913 an genau den Redakteur, den er für sein Talent brauchte.

Und wie kam Tucholsky zu seinem Doktortitel? Dazu ist hier einiges nachzulesen. Für ihn war dieser Titel extrem wichtig, da er nicht einmal das erste juristische Staatsexamen ablegen wollte. Ohne die Promotion, unter großen Mühen geboren, hätte er überhaupt keinen Studienabschluss vorweisen können. Zwar hat er nur ein schwaches cum laude für seine Doktorarbeit bekommen, aber wenigstens durfte er seinen Titel bis zum Lebensende behalten.

PS.: Auch im aktuellen Plagiatsfall zieht der Ertappte Konsequenzen. Es bleibt zu hoffen, dass die Abkürzung KT nun wieder ausschließlich einem wirklichen Dr. iur. zukommt. Und mit KTG sollte in Zukunft wieder ausschließlich die Kurt Tucholsky-Gesellschaft gemeint sein.

PPS.: Das Urheberrecht für folgendes Zitat liegt übrigens bei Tucholsky:

Das einzige an der Doktorarbeit, was von mir ist, ist die ehrenwörtliche Versicherung, daß sie von mir ist.

Das notierte er einst in seinem Sudelbuch.

2.2.2011

Massives Gedenken

Tucholsky hat im Laufe seines Lebens an vielen unterschiedlichen Orten gelebt. Mal kürzer, mal länger. Eine sehr langlebige Erinnerung an sein Wirken und seine Aufenthalte sind hingegen die Gedenktafeln, die in mehreren Ländern Europas zu Ehren Tucholskys hängen. Allein in Berlin gibt es vier davon.

Ende vergangenen Jahres ist eine weitere hinzugekommen. Am 21. Dezember, Tucholskys 75. Todestag, stellte die Deutsche Botschaft in Stockholm an dessen Grab in Mariefred eine Tafel auf. Einen kleinen Überblick über die unterschiedlichen Gedenktafeln gibt die folgende Diashow. Nur Paris sollte sich beeilen, auch mal in diese Sammlung zu kommen.

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