9.10.2005

gez.: Theobald Tiger

Sie wollten schon immer einen von Kurt Tucholsky geschriebenen Brief besitzen? Dann sollten Sie sich an dieser Versteigerung beteiligen, die kommende Woche in Berlin statt findet (Losnummer 1456, Schätzpreis 450 Euro). Der Brief Tucholskys, den er am 8. September 1918 als Mitarbeiter des „Berliner Tageblatts“ geschrieben hat, ist mit seinem Pseudonym Theobald Tiger unterzeichnet.

7.10.2005

Gib’s ihnen!

Endlich hat jemand den großen deutschen Tageszeitungen, die den 100. Geburtstag der „Weltbühne“ so schmählich übergangen haben, ordentlich die Leviten gelesen. Otto Köhler erledigte dies im heutigen „Freitag“, wo dem ehemaligen „Konkret“-Redakteur und jetzigen „Ossietzky“-Mitherausgeber viel Platz freigeräumt wurde. Daher kann Köhler die Schelte mit einer ausführlichen Darstellung der „Weltbühne“-Geschichte verbinden. Die Hauptzielscheibe seiner Kritik sind aber nicht die „Kompetenzmedien“, wie Köhler sie tituliert, sondern der Historiker Hans-Ulrich Wehler. Dieser hat der „Weltbühne“ bei verschiedenen Gelegenheiten „prinzipielle Staatsfeindlichkeit“ attestiert und sie für den Untergang der Weimarer Republik mitverantwortlich gemacht hat. Köhler hat Wehler für diese Einschätzung bereits ausführlich in einem Sonderheft angegriffen, das die Zeitschrift „Ossietzky“ im März dieses Jahres aus Anlass des „Weltbühne“-Jubiläums herausgegeben hat.

Obwohl Köhler sehr kundig über die Geschichte der Zeitschrift schreibt, sind ihm einige Ungenauigkeiten unterlaufen:

  • Die Zabern-Affäre kann nicht Anlass dafür gewesen sein, dass die „Schaubühne“ sich politischen Themen öffnete. Letzteres wurde im September 1913 angekündigt, während die Affäre im Oktober 1913 ausgelöst wurde.
  • Erich Dombrowski benutzte nicht das Pseudonym Felix Pinner. Dahinter steckte der Journalist Frank Faßland.
  • Carl von Ossietzky und Berthold Jacob wurden Ende 1927, nicht 1929, gemeinsam verurteilt.
  • Ossietzky wurde 1931 nicht wegen Landesverrats, sondern wegen Verrats militärischer Geheimnisse verurteilt.
  • Der Friedensnobelpreis wird nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen.

6.10.2005

Journalismus an und für sich

In diesem Jahr reiht sich ein 60. Zeitungsgeburtstag an den anderen. Nach „Berliner Zeitung“ und „Frankfurter Rundschau“ war heute die „Süddeutsche Zeitung“ dran. Und die „SZ“ zeigt der Konkurrenz natürlich, was eine richtige Zeitung ist. Ihre Jubiläumsbeilage umfasst beinahe hundert Seiten, von denen 32 immerhin noch deutschlandweit verbreitet wurden.

Bei so viel Platz lässt sich Journalismus fast aus jedem beliebigen Blickwinkel betrachten. Die politischen Journalisten sind dabei eher für das Grundsätzliche zuständig, – die Möglichkeiten von Journalismus an und für sich. Der Ressortleiter Innenpolitik und Tucholsky-Preisträger Heribert Prantl stellt sich die berechtigte Frage nach der Sinnhaftigkeit des politischen Journalismus. Warum das politische Geschehen kommentieren, wenn selbst Größen wie Tucholsky und Joseph Roth mit ihren Analysen zwar ins Schwarze trafen, aber nichts bewirken konnten? Eine Antwort darauf hat Prantl einmal von einem Feuilletonredakteur erhalten, und man muss vermutlich einer dieser völlig uneitlen Feuilletonredakteure sein, um auf einen solch trivialen Gedanken zu kommen:

Als ich die Frage einmal einem geschätzten Kollegen vom Feuilleton stellte, war dessen Antwort verblüffend. Warum schreibt man einen Kommentar? Antwort: Dass ihn kein anderer schreibt.

Der 2003 verstorbene Herbert Riehl-Heyse befasst sich mit der Frage, wie das „Schreiben im Jahr 2045“ aussieht. Der hypothetischen Antwort nähert er sich dadurch, dass er sich den Journalisten in 40 Jahren vorstellt. Und gerät dabei ins Schwärmen über die gute, alte Zeit:

Sie alle und später Kurt Tucholsky und Karl Kraus, Theodor Wolff und Egon Erwin Kisch, Alfred Polgar und Carl von Ossietzky haben in Zeitungen und Zeitschriften berichtet und kritisiert und sich eingemischt in eine öffentliche Debatte, die ohne Zeitungen überhaupt nicht stattgefunden hätte. Auf diesem Fundament gründet noch heute, was sich an Demokratie und Meinungsfreiheit in Deutschland durchgesetzt hat gegen den Obrigkeitsstaat, der vor nichts so sehr Angst hatte und hat wie vor dem freien Wort.

Riehl-Heyse blendet dabei jedoch aus, die oben genannten Namen alles andere als repräsentativ für den Gesinnungs-Journalismus der damaligen Zeit waren. Daher kann er zu dem folgenden, recht negativen Schluss kommen:

Im Übrigen haben heute die Käuflichen und Feiglinge und Sprachverhunzer auch deshalb mehr Chancen, in den Beruf zu kommen, weil der Bedarf an Journalisten immer größer geworden ist, weshalb der Medienbetreiber vielleicht nicht immer so genau hinschauen kann, wen er sich da ins Blatt geholt hat oder in den Sender.

27.9.2005

Schöne alte Welt

In welch beneidenswerten Paralleluniversen manche Menschen leben, zeigt ein Artikel von Matthias Biskupek über den 100. Geburtstag der „Weltbühne“. Darin erfindet sich der Autor eine Welt, in der die führenden deutschen Tageszeitungen ausführlich jenes Jubiläum gewürdigt haben. Biskupek schreibt in der „Thüringer Allgemeinen“:

Ein solcher Verstand war den meisten der verehrten Kollegen, die sich in diversen Blättern in den vergangenen Tagen über „Die Weltbühne“ verbreiteten, eher nicht gegeben. Alle wussten nämlich – und schrieben es pflichtschuldigst -, dass die Weltbühne bis 1933 eindrucksvoll war, dann von einem gewissen Budzislawski in Prag geleitet worden war, aber von 1946 bis 1993 ein überaus gruseliges Blatt gewesen sein muss, das den Namen „Weltbühne“ nimmer verdient hatte und folglich unerwähnt bleiben sollte.

All diese schreibenden Kollegen in den so gern meinungsführenden Blättern waren mit Spiegel und Bild, mit FAZ und vielleicht ein bisschen taz groß geworden.

„All diese schreibenden Kollegen“ reduzieren sich in der realen Welt leider auf Peter Jacobs und Detlef Jena, die in der „Berliner Zeitung“ beziehungsweise in der „Thüringischen Landeszeitung“ über die „Weltbühne“ geschrieben haben. Und auf den Text von Jena bezieht sich Biskupek offensichtlich, wenn er den Journalismus der DDR-„Weltbühne“ gegen dessen harsche Kritik zu verteidigen versucht. Das gelingt ihm in keiner Weise, denn alle Beispiele und Zitate, die er anführt, machen mehr als deutlich, wie wenig diese Zeitschrift mit ihrem Original unter Jacobsohn, Tucholsky und Ossietzky gemeinsam hatte. Aber zumindest ist Biskupek ehrlich genug, den Grund für seinen Verteidigungsversuch anzugeben: Als „Weltbühne“-Mitarbeiter von 1978 bis 1993 sei er nun mal befangen.

25.9.2005

Der Medienmensch Tucholsky

Die Kurt Tucholsky-Gesellschaft (KTG) hat das Programm ihrer Jahrestagung 2005 veröffentlicht. Die Tagung, die vom 3. bis 6. November in Berlin statt findet, widmet sich dem Medienmenschen Kurt Tucholsky. Mitveranstalter ist die Internationale Hanns Eisler Gesellschaft. Als Referenten konnten unter anderem der Kabarettautor Peter Ensikat und der Vorsitzende der Tucholsky-Stiftung, Fritz J. Raddatz, gewonnen werden. Anmeldungen für die Tagung sind auch online möglich.

Eine Kuriosität am Rande: Wie aus dem September-Rundbrief der KTG hervorgeht, hat „Zeit“-Kolumnist Harald Martenstein seinen geplanten Vortrag über den „Medienmenschen Tucholsky“ wieder abgesagt. Ursache für diese Entscheidung war vermutlich eine Begegnung mit einem KTG-Vorstandsmitglied auf dem Sommerempfang des Rowohlt-Verlages. Wenn man Martensteins Schilderungen in einer Kolumne vom Juli dieses Jahres Glauben schenken darf, hat er sich auf diesem Empfang nicht gerade als Tucholsky-Experte geoutet. Und da er einer weiteren Kolumne zufolge in den vergangenen Monaten sehr stark durch den Wahlkampf in Anspruch genommen war, wollte er diese angeblich so wütende Frau vermutlich nicht noch ein weiteres Mal durch inkompetente Tucholsky-Bemerkungen reizen.

9.9.2005

Auch Bush spielt auf der Weltbühne

Es ist schon sehr merkwürdig, an welchen Schlagwörtern die Medien manchmal ihre Artikel aufhängen. Setzte die „Berliner Zeitung“ gestern die Überschrift „Auch Thomas Mann schrieb hier“ über einen Text zum hundertsten Geburtstag der „Weltbühne“, macht es die „Thüringische Landeszeitung“ heute noch ein bisschen bizarrer: „Old Shatterhand auf der ‚Weltbühne'“ steht über der an sich recht schönen Würdigung des Blattes durch Detlef Jena.

Wie der Autor auf den Zusammenhang zwischen der Karl Mayschen Romanfigur und der „Weltbühne“ kommt, ist schnell erklärt: In dem Wikipedia-Artikel über die Zeitschrift werden auch einige der selteneren Tucholsky-Pseudonyme erwähnt, darunter Paulus Bünzly, Theobald Körner und eben jener Old Shatterhand, den Tucholsky zwei Mal verwendet hat. Dass Detlef Jena den Wikipedia-Artikel gelesen hat, ist offensichtlich, hat er sich doch einen Absatz lang sehr stark an der Enzyklopädie orientiert.

Eine solch enge Anlehnung hat Jena eigentlich gar nicht nötig. Denn dass er zu eigenständigen Urteilen und Formulierungen fähig ist, zeigen folgende Passagen:

„Die Weltbühne“ war das anständigste Blatt der Weimarer Republik, weil es, frei von parteipolitischen Intrigen, ein intellektuelles Zukunftsmodell einer praktischen Demokratie in Deutschland entwarf, frei von Nationalismus, Rassismus, Korruption, Vetternwirtschaft, Kriegstreiberei oder sozialer Ungerechtigkeit. (…)
Die ganze Kraft, die antifaschistische Intellektuelle in den Erhalt der „Weltbühne“ investierten, verpuffte im Grunde im Streit um Rechte, Zuständigkeiten oder Empfindlichkeiten bei Herausgebern und Autoren.

7.9.2005

100 Jahre „Die Weltbühne“

Heute vor 100 Jahren, am 7. September 1905, ist in Berlin zum ersten Mal die Theaterzeitschrift „Die Schaubühne“ erschienen. Sie war von 1913 an Tucholskys wichtigstes Publikationsorgan und sollte sich unter seinem Einfluss einem breiteren Themenspektrum öffnen, was 1918 zur Umbenennung in „Die Weltbühne“ führte.

Sollte das Jubiläum nicht Grund genug für die Medien sein, die Zeitschrift kurz zu würdigen? Natürlich nicht, meint das „Altpapier“ der „Netzeitung“, denn schließlich erführen die Medienjournalisten aus der Zeitschrift nichts Neues. Alles schon mal da gewesen: vom Caroline-Urteil über Pressekorruption bis hin zu rein kulinarischen Pressereisen.

Aber wenigstens eine Ausnahme gibt es: In der „Berliner Zeitung“ würdigt Peter Jacobs die Geschichte der Zeitschrift. Dem Artikel allerdings die Überschrift „Auch Thomas Mann schrieb hier“ zu verpassen, zeugt nicht von einer besonders tiefen Kenntnis der Materie. Als müssten sich die Journalisten Jacobsohn, Tucholsky oder Ossietzky hinter einem Schriftsteller verstecken, von dem in der Zeitschrift gerade einmal ein Handvoll Texte erschienen sind. Das klingt so, als würde man die Geschichte Italiens auf die Schlagzeile „Auch Goethe war da“ komprimieren.

Einen anschaulicheren Überblick über die Geschichte der Zeitschrift ermöglicht dagegen eine Ausstellung, die am 10. September im Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg eröffnet wird. Die Ausstellung ist bis 13. November 2005 zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9.30 – 12.30 Uhr und 13 – 17 Uhr.



Umschlag der „Weltbühne“ vom 12.3.1929

30.8.2005

Aus gegebenem Anlass

In der „FAZ“ mokiert sich Jochen Stöckmann äußerst kunst- und kanzlerkritisch über eine Aktion, mit der Gerhard Schröder seit 1994 vor sämtlichen Wahlen unterstützt wird. Am vergangenen Sonntag war es in Hannover wieder einmal soweit. Künstler um Klaus Staeck und Siegfried Neuhausen präsentierten ihr Kunstwerk, in diesem Wahljahr ein „Potpourri von Stühlen“. Schröder überreichte dabei den Kunstpreis „Aus gegebenem Anlass“ an Jochen Gerz.

Der Tenor des FAZ-Textes „Stühlerücken“ lautet eindeutig: Wenn die falschen Künstler für den falschen Kanzler werben, kann nichts Anständiges dabei herauskommen, schon gar keine Kunst. In den Worten Stöckmanns: „Und die glückliche Ahnungslosigkeit der Kunst harmoniert aufs beste mit der kecken Unwissenheit der Politik.“ Und um Kurzatmigkeit des Schröderschen Politiktreibens aufzuzeigen, bemüht er zwei Sätze Tucholskys, in denen dieser über die Aufgeblasenheit des Berliner Geschäftsbetriebs urteilte:

Übermorgen haben sie alles vergessen: euer Projekt, den Künstler und die Skizzen. Und frohen Herzens stürzen sie sich auf das nächste Ding…
Ignaz Wrobel: „Berliner Geschäfte“, in: Berliner Tageblatt, 27.1.1920

Was Tucholskys Klage mit der Kunstaktion zu tun, weiß wohl nur Stöckmann. Schließlich wird in „Berliner Geschäfte“ lediglich geschildert, wie die Unternehmer für ihre hochfahrenden Projekte Künstler und andere potenziellen Mitarbeiter aufscheuchen, um anschließend das Projekt und die Künstler ebenso schnell wieder zu vergessen. Im Falle der Kunstaktion scheint es aber genau umgekehrt zu sein. Die Initiative ging von den Künstlern aus, und wie lange Schröder sich an die 25 Stühle des Potpourris erinnert, ist wirklich ihm selbst überlassen.

Eines muss man dem FAZ-Text aber zugute halten. Es wird darin anschaulich geschildert, wie so manche Zitate in die Welt gesetzt werden:

„Weitermachen gegen das Aufhören“, dieser Mahnung des Künstlers wolle er gerne folgen, verkündet siegesgewiß der Preisredner. Tatsächlich hat Gerz diesen Satz nie gesagt. Es ist die kurzschlüssige Schlagzeilenformulierung eines Kritikers, von einem Sprecher der Künstlerinitiative zitiert, von Schröder aufgeschnappt und flugs zur gängigen Parole umgewertet.

22.8.2005

Stöckelschuhe im Einheitsbrei

Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich die Feuilletons der „Neuen Zürcher Zeitung“ und des Berliner „Tagesspiegels“ abgesprochen haben. Aber die Art und Weise, in der sich zwei Beiträge in deren Sonntagsausgaben ergänzen, ist schon frappant. Da beklagt Regula Freuler in der „NZZ“ den „optischen Einheitsbrei auf dem Büchertisch“ und lässt Tucholsky meckern:

„Neuerscheinung! Soeben erschienen! Nur ja nichts lesen, was schon länger als vier Tage aus der Druckerpresse heraus ist!“ Kurt Tucholsky hatte gut schimpfen. Wenn er bereits 1930 den Buchmarkt als „Hochflut“ bezeichnet – durch die er als Kritiker viele Bahnen zog -, gehört heute eigentlich ein Tiefsee-Tauchbrevet ins Curriculum von Literaturredaktoren.

Aber nicht nur die schiere Masse an Neuerscheinungen stört Freuler:

Wenn es nur die Flut wäre. Schlimmer ist der optische Einheitsbrei: Stöckelschuhe, Frauenbeine, Stöckelschuhe, Frauenbeine – zum Davonlaufen!

Da hatten es die Leser früherer Generationen noch besser, um auf den Artikel im „Tagesspiegel“ zu sprechen zu kommen. Schon Tucholsky lobte 1932:

Wenn ich nicht Peter Panter wäre, möchte ich Buchumschlag im Malik-Verlag sein. Dieser John Heartfield ist wirklich ein kleines Weltwunder. Was fällt ihm alles ein! Was macht er für bezaubernde Dinge. Eine seiner Fotomontagen habe ich mir rahmen lassen, und aufbewahren möchte man sich beinah alle.

Letzteres war gar nicht nötig, denn das haben andere für Tucholsky übernommen. Das Ergebnis dieser Sammelleidenschaft lässt sich nun in einem äußert umfangreichen Bildband bewundern, den der „Tagesspiegel“ in dem Artikel „Eingeschlagen, umgeschlagen“ präsentiert:

„Blickfang. Bucheinbände und Schutzumschläge Berliner Verlage 1919 – 1933“ heißt das monumentale Kompendium, das in 86 alphabetisch geordneten Kapiteln glatte 1000 Buchumschläge farbig wiedergibt und oft die Rückseiten und Buchrücken dazu.

Vielleicht lassen sich ja einige Graphiker von dem drei Kilo schweren „Erschlagewerk“ aus dem Holstein-Verlag inspirieren, damit die Prophezeiung der „NZZ“ fürs nächste Jahr vielleicht doch nicht wahr wird:

„Wir wollen nicht das Neuste lesen; wir wollen das Beste, das Bunteste, das Amüsanteste lesen.“ Die Waage, lieber Herr Tucholsky, die diese drei im Gleichgewicht hält, muss erst noch erfunden werden. Bis dahin gilt: Auf in die nächste Stöckelschuh-Saison!



Von John Heartfield gestaltetes Cover

20.8.2005

Schlichte Gedichte

Aus merkwürdigem Anlass befasst sich die „FAZ“ heute ein wenig mit Leben und Werk der Schriftstellerin und Journalistin Mascha Kaléko. In ihrem Text „Momentaufnahme eines aufgeräumten Gemüts“ erweckt Renate Schoschtak den Eindruck, als sei der Gedichtband „In meinen Träumen läutet es Sturm“ soeben neu bei DTV herausgekommen. Dem ist aber überhaupt nicht so. Die erste Auflage erschien bereits 1977, die 18. Auflage im Jahre 1998. Warum das Buch anlässlich der soundsovielten Neuauflage wieder präsentiert wird, weiß wohl nur die „FAZ“.

Davon abgesehen, versucht Schoschtak die Lyrik Kalékos in damalige Strömungen einzuordnen:

Kaleko besitzt wie die Zeitgenossen, mit denen sie in dieselbe Schublade gelegt wird – Kästner, Tucholsky, Ringelnatz, Klabund – und wie ihr großer Ahnherr Heine, was in Deutschland rar ist: Anmut, Humor, Witz.

Und warum verweigert die „FAZ“ Frau Kaléko konsequent den Akzent? So rar dürften die Häkchen in den digitalen Setzkästen noch nicht geworden sein.

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