17.4.2012

Vom Sockel geholt

Im August 2009 wurde hier auf das wohl am besten versteckte Denkmal Berlins hingewiesen: die Tucholsky-Büste und -Stele in der Pankower Neumannstraße. Damals fand sich das Ensemble kaum sichtbar hinter einem dichten Gebüsch verborgen, unmittelbar neben der dortigen Kurt-Tucholsky-Oberschule. Diese war dann sehr froh, ihrem Namensgeber im April 2011 einen angemessenen Standort zuweisen zu können: Das Denkmal wanderte per Kran auf das Schulgelände – direkt unter den Namenszug der Schule. Doch die Freude war nur von recht kurzer Dauer. Seit Ende Februar ist die Büste weg.



Es geschah am Freitag, den 24. Februar. Ramona Klinge vom Sekretariat und Förderverein der Schule ist empört über die Dreistigkeit der Diebe. Am helllichten Tage hätten sie zugeschlagen, sagte sie auf Anfrage. Im Fahndungsaufruf der Polizei heißt es:

Zwei unbekannte Täter, welche mit einem weißen Transporter unterwegs waren, entwendeten am 24. Februar 2012 in der Zeit zwischen 12.45 bis 13.00 Uhr in Berlin-Pankow, Neumannstr. 11 eine Bronzestele mit Büste des Namensgebers der Schule.

Dass es ihnen nicht um das Kunstwerk oder gar Tucholsky ging, ist für Klinge klar. Die Diebe hatten es wohl auf den Materialwert der Bronzestatue abgesehen, der bei 2.400 Euro liegen soll. Das ungleich massivere Bronzerelief blieb jedoch stehen. Dieses lässt sich nicht so einfach abmontieren und mitnehmen. Am selben Tag sollen in Berlin noch zwei weitere Denkmäler gestohlen worden sein.



Das noch komplette Denkmal an der Tucholsky-Oberschule.

Nicht nur die Schulleitung, auch viele Schüler seien traurig gewesen, dass »ihr« Tucholsky geklaut worden sei, sagte Klinge. Dies findet seinen Ausdruck auch in einer Kunstaktion, die sich mit dem Diebstahl beschäftigt. Die Schüler entwarfen mehrere Installationen, die nun anstelle der gestohlenen Büste aufgestellt werden. Vor den Osterferien stand ein schwarzer Stuhl – natürlich festgeschraubt – neben dem leeren Sockel.



Die erste Installation am Sockel der gestohlenen Büste.

Auf dem Stuhl lag ein aufgeschlagenes Buch mit einem Porträtfoto Tucholskys. Daneben ein umgekipptes Fässchen mit roter Tinte sowie ein Stift. Tintenspritzer beflecken wie Blut die Buchseiten.



Auch die Frage nach einem Ersatz der Büste wird gestellt. Vielleicht hat der Künstler Ulrich Skoddow noch ein Modell der Büste aufbewahrt. Damit ließe sich dann eine Replik herstellen, die jedoch nicht mehr aus Bronze bestehen soll. Schließlich will man den kulturlosen Metalldieben keinen neuen Anreiz bieten.

22.2.2012

»Wo Tucholsky unrecht hatte«

… schrieb die Süddeutsche Zeitung heute provokant als Titel über einen ihrer Artikel. Worum geht’s? Sind Soldaten doch keine Mörder? Die Sozialdemokraten doch eine Arbeiterpartei? Die Deutschen doch zu einer richtigen Revolution fähig? Weit gefehlt. In dem Text würdigt Wolfgang Koydl den im Alter von 81 Jahren gestorbenen SZ-Auslandskorrespondenten Carl E. Buchalla. Darin heißt es:

Kurt Tucholsky unterstellte Auslandskorrespondenten einmal, dass sie fremde Nationen »nicht erkennen, sondern durchschauen«, sie gleichsam auf frischer Tat ertappen wollten. Doch Tucholsky hatte nie eine Reportage von buc. gelesen. Carl Buchalla erkannte seine Pappenheimer und er kannte sie gut – die Serben und die Saudis, die Albaner und die Ägypter.

Nun hat Tucholsky sich in der Tat mehrfach kritisch über die Arbeit deutscher Auslandskorrespondenten geäußert. Am ausführlichsten in den Texten »Auslandskorrespondenten« oder »Auslandsberichte«. Koydls Zitat bezieht sich aber wohl auf Tucholskys kurze Bemerkung in der Aphorismensammlung »So verschieden ist es im menschlichen Leben!« von 1931:

Es gibt Auslandskorrespondenten, die wollen die fremden Völker, zu denen man sie geschickt hat, nicht erkennen. Sie wollen sie durchschauen.

Hm. Was sich bei Koydl wie nach einer pauschalen Korrespondentenschelte anhört, klingt im Original längst nicht so verallgemeinernd. Im Gegenteil. Insofern hätte Tucholsky in Buchalla, wenn er ihn je hätte lesen können, vermutlich nicht die rühmliche Ausnahme unter seinen Journalisten-Kollegen gesehen. Womit er am Ende natürlich doch nicht unrecht hatte.

25.1.2012

Hitlers »komisches Buch«

Der britische Verleger Peter McGee hat mit seinen Plänen für Wirbel gesorgt, Auszüge aus Adolf Hitlers Manifest Mein Kampf in kommentierter Form auf den deutschen Zeitungsmarkt zu bringen. Die bayerische Landesregierung hat dem nun einen Riegel vorgeschoben, weil sie weiter die Urheberrechte an dem Werk geltend macht. Doch was spricht dagegen, die »NS-Bibel« (Focus) vor dem Wegfall des Urheberschutzes im Jahr 2015 schon den deutschen Lesern zugänglich zu machen? Eigentlich nichts, außer der Tatsache, dass Hitlers Werk ein unlesbarer Schmarrn ist.

Dieses Urteil haben zumindest die Autoren der Weltbühne gefällt, die in der Zeit der Weimarer Republik den zweifelhaften Vorteil hatten, das Buch ungehindert lesen zu können. Auf welche Weise haben sich nun Journalisten wie Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky mit Hitlers Ergüssen aus seiner Landsberger Festungshaft auseinandergesetzt? Genau so, wie das Buch es verdiente: nämlich gar nicht. Es ist schon bemerkenswert, dass Mein Kampf erst im Februar in der Weltbühne 1931 überhaupt erwähnt wurde. Damals saßen die Nazis schon mit mehr als 100 Abgeordneten im Reichstag. In einer »Antwort« an den ehemaligen Reichskanzler Joseph Wirth hieß es lapidar:

Wie Sie selbst dazu stehen, haben Sie verraten, als sie bemerkten, dass in Adolf Hitlers komischem Buch manche Stellen Sie an Nietzsche erinnert hätten.

Einen Seitenhieb auf Hitler und sein Manifest machte dann der Pazifist Hellmut von Gerlach im Oktober 1932, als er in einem Artikel vor möglichen Pogromen nach einer Machtübernahme der Nazis warnte:

Für klug hat ihn wohl noch nie jemand gehalten, der sein Buch Mein Kampf gelesen hat.

Immerhin schien Gerlach das Buch gelesen zu haben.

Ebenfalls im Oktober 1932 widmete sich die Zeitschrift schließlich in einem eigenen Text Hitlers Buch, »dieser reichhaltigsten Kathederblüten-Sammlung der Welt«. Der Titel des Artikels von Heinz Horn, »Hitlers Deutsch«, war bezeichnend: Ein Buch, das solch hanebüchenen Thesen vertrat und in so schlechtem Deutsch geschrieben war, hatte auch angesichts der drohenden Machtübernahme keine ernsthafte Betrachtung verdient. Horn machte dabei nichts anderes, als einige der schrägsten Formulierungen aneinanderzureihen. Das sah dann so aus:

Adolf Hitlers grundlegendes Buch Mein Kampf ist in der deutschen Literatur vollkommen einmalig. Durchaus angebracht, daß uns andre Völker ob dieser reichhaltigsten Kathederblüten-Sammlung der Welt beneiden. Mögen andre Leute derartige Dinge mühsam aus Hunderten von Büchern und Schriften zusammenklauben, was hier vorliegt, ist von der ersten bis zur letzten Zeile Originalarbeit, tierisch ernst gemeint und mit wundervollem Pathos vorgetragen — in einer Sprache, die in ihrer orientalischen Üppigkeit und in ihrem östlichen Bilderreichtum noch die Tiraden des kleinen Hadschi Halef Omar in Karl Mays Reisebeschreibungen übertrifft. Wer nicht weiß, wo Braunau liegt, muß aus der Sprache, die der größte Sohn dieser kleinen Stadt spricht, schließen, es läge im verdächtigsten Morgenland.

Die Bilder und Vergleiche, mit denen Hitler seine tiefsinnigen Aussprüche ziert, sind mit Vorliebe dem Gebiet der Naturwissenschaften entnommen, wobei vor allem unappetitliches Kleinvieh wie Maden, Bazillen und Quallen eine prominente Rolle spielt.

So wie man nur vorsichtig in eine solche Geschwulst hineinschnitt, fand man, wie die Made im faulenden Leibe, oft ganz geblendet vom plötzlichen Lichte, ein Jüdlein (S. 61).

So schön an sich diese reiche Bildersprache ist, läßt sie einen doch nicht recht erkennen, wer da eigentlich vom plötzlichen Lichte geblendet ist: die Made, das Jüdlein oder der kühne Chirurg höchstpersönlich. Außerdem ist dem Dichter bei diesem Vergleich leider entgangen, daß die Made im Leibe ist, weil er faulig ist, und nicht etwa der Leib deshalb fault, weil die Made darin ist. Weiter:

Man bedenke, daß auf einen Goethe die Natur immer noch leicht zehntausend solcher Schmierer der Mitwelt in den Pelz setzt, die nun als Bazillenträger schlimmster Art die Seelen vergiften (S. 62). (…)

Aber auch wo sie die Tierwelt in Ruhe läßt, zeichnet sich Hitlers Prosa durch eine Farbenpracht der Diktion aus, für die hier noch einige Beispiele gegeben seien:

Dieses Pack aber fabriziert zu mehr als zwei Dritteln die sogenannte »öffentliche Meinung«, deren Schaum dann die parlamentarische Aphrodite entsteigt (S. 94). (…)

Was wirklich über das Normalmaß des breiten Durchschnitts hinausragt, pflegt sich in der Weltgeschichte meistens persönlich anzumelden (S. 96).

Man hatte keine blasse Ahnung, daß die Begeisterung, erst einmal geknickt, nicht mehr nach Bedarf zu erwecken ist (S. 183).

Ebenbilder Gottes dürfte man nur mehr wenige finden, ohne des Allerhöchsten freveln zu wollen (S. 281).

Ohne des Allerhöchsten freveln zu wollen: wer solches mit ungeknickter und nach Bedarf zu weckender Begeisterung zu lesen vermag, dem ist wohl nicht zu helfen.

Warum die Deutschen dieses Buch nun endlich wieder zur Kenntnis nehmen sollen? Eine Antwort gibt ein Geschichtslehrer in einem Gastbeitrag für die Rhein-Zeitung:

Hitler geht immer und sorgt für Auflage. Das ist bekannt. Das weiß auch der Verleger Peter McGee.

Dennoch befürwortet der Lehrer Daniel Bernsen eine Veröffentlichung auch in Deutschland und verweist auf die Lesereise des deutsch-türkischen Kabarettisten Serdar Somuncu, der dem Publikum Passagen aus Mein Kampf vorgetragen hatte:

So absurd und unfreiwillig komisch Hitlers Argumentation bisweilen ist, so schrecklich waren die Folgen dieser Gedanken. Die Balance dazwischen gelingt Somuncu ausgesprochen gut.

Die Auseinandersetzung mit dem Text, seiner Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ist wichtig. Das bisherige Verbot hat in Deutschland offensichtlich das Gegenteil erreicht. Das Lachen über den Text zeigt das Erkennen der Absurdität der vorgetragenen Argumentation. Es ist genau dieses Lachen, das den Text von seiner mystischen Aura befreit.

Es wirkt wie eine Ironie der Geschichte, dass McGee die Passagen aus Mein Kampf nun »unleserlich« machen will. Das waren sie nach Ansicht der Weltbühne schon immer.

6.9.2011

Joachim Bergmann †

Er war im positiven Sinne ein Besessener, wenn es um die Weltbühne ging. Dem Erbe Jacobsohns, Tucholskys und Ossietzkys galt sein Leben. Es ist vielleicht nicht übertrieben, zu behaupten, dass er mit seinem Leben dafür bezahlt hat. Joachim Bergmann ist am 22. August im Alter von 62 Jahren gestorben. Seine ganze Energie hat er in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten dem Versuch gewidmet, die Geschichte und Texte der Schau- und Weltbühne aufzuarbeiten und für die Nachwelt zu erhalten. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Wunsch noch in seinem Sinne erfüllt wird.

Das Interesse für die kleinen roten Hefte aus der Kaiserzeit und der Weimarer Republik wurde schon zu DDR-Zeiten bei ihm geweckt. Damals begann er damit, jeden der 22.600 Artikel und mehr als 2.000 Autoren auf Karteikarten zu katalogisieren. Das erste Ergebnis dieser Sammelwut war der Registerband, den er nach der Wende, 1991, im Saur-Verlag veröffentlichte. Unentbehrlich ist diese Hilfe, wenn man nach Beiträgen von einzelnen Autoren in den 29 Jahrgängen der Zeitschrift sucht.

Doch damit wollte sich Bergmann nicht begnügen. Sein Traum war zuletzt, alle Artikel auch elektronisch zu erfassen und zugänglich zu machen. Mit beachtlichen Fördermitteln stellte er ein Digitalisierungsprojekt auf die Beine. In seinem Büro in der Eichendorffstraße in Berlin-Mitte hatte der Verein »Das Blättchen« seinen Sitz. Auf der Internetseite erläuterte er das Ziel des 2002 gegründeten Vereins:

  • Den hohen zeitgeschichtlichen Wert der Zeitschrift Die Schaubühne/Die Weltbühne in Form von Registern oder anderen medialen Möglichkeiten transparent zu machen.
  • Die publizistische Kompetenz und die Persönlichkeit Siegfried Jacobsohns in das Bewußtsein der deutschen und internationalen Öffentlichkeit zurückzubringen.
  • Den großen Stellenwert der jüdischen, deutschen Publizistik darzustellen.
  • Wichtige Aufarbeitungen zur Antisemitismusforschung vorzunehmen.
  • Vergessene Namen in unser Bewußtsein zurückzuholen.

Das sind fürwahr hehre Ziele. Aber es ist gut möglich, dass Bergmann die Komplexität dieses Vorhabens unterschätzte. Es mussten nicht nur gut 45.000 Seiten, davon viele in Frakturschrift, digitalisiert werden. Auch galt es, die Urheberrechte zu klären, was bei mehreren tausend Autoren einer Sysiphos-Arbeit glich. Aber selbst damit gab sich Bergmann nicht zufrieden. Zu allen erwähnten Personen, Büchern, Theaterstücken wollte er Hintergrundmaterial liefern. Und alles sollte in einer Datenbank miteinander verknüpft werden.

Das fertige Ergebnis dieser unermüdlichen Anstrengungen hat er nicht mehr erleben dürfen. Immerhin ist der Reprint der Weltbühne von 1978 nun auf 3 DVDs verteilt digital zu erwerben. Der zweite Teil des Projektes, der Texterkennung und umfangreiche Register umfasst, harrt noch der Fertigstellung. Nicht nur im Sinne Bergmanns sollte es noch realisiert werden, sondern zum Nutzen aller, die an dem Erbe Jacobsohns, Tucholskys und Ossietzkys interessiert sind.

Am 23. September wird die Asche Joachim Bergmanns auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf beigesetzt. Selbstverständlich in der Nähe von Jacobsohns Grab. Ein Leben für die Weltbühne, lautet der Titel einer Biographie über S.J. Das lässt mit gleichem Recht auch von Bergmann behaupten.

15.8.2011

Was sind Soldaten eigentlich?

Wie schwer es war, mit der Generation der Wehrmachtssoldaten über deren Kriegserlebnisse zu reden, hat der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil schon als kleiner Junge erfahren. In seinem schönen Büchlein Die Moselreise, das er als Kind geschrieben hat, bemerkt er:

Ich fragte Papa danach nichts Weiteres über die furchtbare Unruhe und den Krieg, weil ich weiß, dass Papa nicht gern über den Krieg spricht. Papa ist damals für einige Jahre Soldat gewesen, und ich weiß, dass er während dieser Zeit als Soldat viele, viele Fotos gemacht hat. Papa hat mir jedoch noch nie eines dieser Fotos gezeigt. (Als ich ihn später in Köln einmal gefragt habe, warum er mir seine Fotos aus dem Krieg nicht zeigt und warum wir diesen Krieg nicht auch nacherleben, hat Papa gesagt, dass er den Krieg um keinen Preis nacherleben wolle und dass er sich nichts Furchtbareres vorstellen könne als den Krieg nachzuerleben. Ich habe dann nicht weiter nach den Fotos und nach dem Krieg gefragt, weil Papa sehr ernst geworden ist, als ich ihn nach den Fotos und nach dem Krieg gefragt habe.)

So wie Ortheils Vater dürfte es den meisten deutschen Soldaten gegangen sein. Um so überraschender kam für Publikum und Historiker eine Studie, die im Frühjahr dieses Jahres publiziert wurde. Einfache Soldaten und auch Offiziere schilderten ihre Kriegserlebnisse ungewöhnlich offen und freimütig. Die Alliierten hatten Gespräche von deutschen Kriegsgefangenen heimlich mitgeschnitten und aufbewahrt. Zwei kurze Beispiele:

Bäumer: »Da haben wir vorne eine Zwei-Zentimeter-Kanone einbauen lassen. Dann sind wir im Tiefflug über die Straßen, und wenn uns Autos entgegenkamen, haben wir den Scheinwerfer angemacht, die dachten, es käme ein Auto ihnen entgegen. Dann haben wir mit der Kanone reingehalten. Damit hatten wir viele Erfolge. Das war sehr schön, das machte riesigen Spaß. Auch Eisenbahnzüge und so Zeug.«

Greim: »Wir haben einmal einen Tiefangriff bei Eastbourne gemacht. Da kommen wir an und sahen ein großes Schloss, da war anscheinend ein Ball oder was, auf alle Fälle viele Damen in Kostümen und eine Kapelle. Das erste Mal sind wir vorbeigeflogen, dann haben wir noch einen Angriff gemacht und haben reingehalten. Mein lieber Freund, das hat Spaß gemacht.«

Es wundert einen daher nicht, dass der Mitautor der Studie, Harald Welzer, im Magazin Stern gefragt wurde: »Sind, mit Tucholsky, Soldaten Mörder?« Welzer antwortete:

Natürlich sind sie das, das schreiben wir am Ende des Buches auch ganz deutlich: Töten ist ihr Job. Alles andere ist Romantik. In Tucholskys Äußerung schwingt ja mit, dass er nicht versteht, warum es Soldaten überhaupt gibt. Seine Aussage ist moralisch grundiert. Empirisch betrachtet: Soldaten sollen töten, das lernen sie, das ist ihr Handwer.k

Die 512 Seiten lange Untersuchung ist aber alles andere als eine Materialsammlung, die nur Gesprächsprotokolle wiedergibt. Vielmehr versuchen Welzer und sein Co-Autor Sönke Neitzel, die Aussagen der Soldaten sehr genau in ihren damaligen Kontext einzuordnen. Sie wollen den »Referenzrahmen des Krieges« analysieren. Erläutern, warum die Armee des nationalsozialistischen Deutschen Reiches solche Verbrechen begehen konnten. Und verstehen, ob es tatsächlich an der Erziehung und Propaganda im Dritten Reich lag, dass die Soldaten so schnell »Spaß« am Töten bekamen. Ein eindeutiges Mordmerkmal. Der Spiegel bezeichnete die Abhörprotokolle als »Sensationsfund« und urteilte:

Die Wissenschaft hat schon immer die Frage interessiert, wie schnell aus ganz normalen Menschen Tötungsmaschinen werden können. Nach den vorliegenden Berichten muss man sagen: sehr schnell.

Es ist allerdings nicht so, dass die Autoren in ihrer Untersuchung explizit auf die Frage eingehen, ob Soldaten Mörder sind. Obwohl das Buch auf die Entwicklung des Wehrgedankens in der Weimarer Republik eingeht, wird Tucholskys Position nicht erwähnt. Am Ende heißt es nur: »Menschen töten aus den verschiedensten Gründen. Soldaten töten, weil das ihre Aufgabe ist.« Erstaunlicherweise wird diese noch recht sachliche Position von den Protokollen selbst überholt:

Zotlöterer: »Ich habe einen Franzosen von hinten erschossen. Der fuhr mit dem Fahrrad.«
Weber: »Von ganz nahe?«
Zotlöterer: »Ja.«
Heuser: »Wollte der dich gefangen nehmen?«
Zotlöterer: »Quatsch. Ich wollte das Fahrrad haben.«

Sicherlich haben nicht alle Soldaten so gewissenlos gehandelt. Aber die Tatsache, dass Zotlöterer seinen Mord so freimütig dem Kameraden mitteilte, macht deutlich, dass dieser sich keiner besonderen Schuld bewusst war. Er glaubte offenbar, völlig im Recht so gehandelt zu haben. Im damaligen Prozess um das »Soldaten sind Mörder«-Zitat hatten die Anwälte Carl von Ossietzkys viele antimilitaristische Zitate aus der Geistesgeschichte bemüht. In ähnlichen Prozessen könnte man in Zukunft dieses Buch als Beleg für die These vor Gericht präsentieren. Und auch das Fazit des Spiegel erwähnen:

Nicht im Menschen ist die Moral begründet, die sein Handeln bestimmt, sie liegt in den Strukturen, die ihn umgeben. Ändern sich diese, ist grundsätzlich alles möglich, auch das absolute Grauen.

Die Struktur, die das absolute Grauen hervorbringt, hatte für Tucholsky einen Namen: Krieg. Die Schilderungen der Wehrmachtsoldaten hätten aber wohl jenseits seiner Vorstellungskraft gelegen.

Sönke Neitzel und Harald Welzer: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011. 521 S., geb., 22,95 Euro.

13.8.2011

Gesamtausgabe komplett – Bände 15 und 22 erschienen

Es fing 1996 mit einem Briefband und Texten aus dem Jahr 1920 an. Nun ist das Werk komplett. Mit dem Erscheinen des Registers und des Jahrgangsbandes 1932/1933 inklusive der unveröffentlichten Texte ist die 22-bändige Tucholsky-Gesamtausgabe vollständig erschienen. Eine gewaltige Anstrengung liegt hinter den Herausgebern und den Mitarbeitern der Tucholsky-Forschungsstelle an der Universität Oldenburg, die auf 21.124 Seiten das Œuvre Tucholskys gesichtet, kritisch aufgearbeitet und ausführlich kommentiert haben.

Getrübt wird der Abschluss des Werks leider dadurch, dass von den anfänglich vier Herausgebern nur Prof. Gerhard Kraiker diesen Moment noch erleben durfte. Die Mitherausgeber Antje Bonitz, Michael Hepp und Dirk Grathoff sind in den vergangenen elf Jahren gestorben. Antje Bonitz hat vor ihrem Tod im vergangenen noch Band 15 fertiggestellt, der mit über 1500 Seiten auch der umfangreichste der ganzen Reihe ist.

Für die Tucholsky-Forschung ist der Wert der Bände kaum zu überschätzen. Wer sich kritisch und intensiv mit den Texten und Briefen auseinandersetzen will, kommt um eine Lektüre der Bände und vor allem der Kommentare kaum herum. Kaum eine Frage oder ein Stichwort (zu Ausnahmen siehe hier) bleiben unerklärt. Zusammenhänge, auch biographischer Natur, werden ausführlich erläutert.

Vorbildlich auch wieder der nun erschienene Band 15: Tucholskys handschriftliche Notizen, darunter das berühmte Sudelbuch, sind als Faksimile abgebildet und parallel dazu transkribiert. Ebenfalls enthält der Band das bislang unveröffentlichte und unverfilmte Manuskript »Seifenblasen«, eine Szenenskizze über einen weiblichen Damenimitator. Auch das Theaterstück »Christoph Kolumbus« ist enthalten. Neben den wenigen, 1932 und 1933 veröffentlichten Tucholsky-Texten gibt Band 15 noch nachgelassene Texte, Couplets, Cabaretszenen und Kompositionen sowie Nachträge von Briefen und Texten wieder, die bei Herausgabe früherer Bände nicht bekannt waren.

Der 1300 Seiten umfassende Registerband besteht vor allem aus einem Personen- und Werkregister sowie einem Sachregister. Hinzu kommen noch Verzeichnisse über Publikationsorgane, rezensierte Bücher, besprochene Theaterstücke und Filme, sowie weitere Register.

Finanziert haben die Gesamtausgabe die Deutsche Forschungsgemeinschaft, der Rowohlt Verlag und die Tucholsky-Stiftung. Wobei Fritz J. Raddatz als Stiftungsvorsitzender des öfteren kritisiert hat, dass ihm die Ausgabe zu umfangreich geraten war. Ein finanzieller Erfolg waren die Bände für den Verlag sicherlich nicht. Dies hat auch dazu beigetragen, dass der ursprüngliche Editionsplan mit zwei bis drei Bänden pro Jahr nicht eingehalten werden konnte. Es war geplant, den letzten Band im Jahr 2003 vorzulegen. Nun sind es acht Jahre mehr geworden.

Seit dem Erscheinen des ersten Bandes vor 15 Jahren hat sich zudem die Art und Weise der Rezeption derartiger Ausgaben stark verändert. Man ist es fast gewohnt, die Werke der wichtigsten Autoren digital vorliegen zu haben. Kaum eine Privatperson wird es sich zudem leisten können, die 22 Bände komplett ins Regal zu stellen. Die beiden letzten Bände sind mit jeweils 80 Euro schon recht teuer. Es ist schon oft vorgeschlagen worden, die Gesamtausgabe als CD zu brennen. Dies würde die Recherche nach Textstellen und Zitaten wesentlich erleichtern. Damit könnte die verdienstvolle Arbeit aller Herausgeber einem wesentlich breiteren Publikum zugutekommen. Auf Anfrage teilte der Rowohlt Verlag allerdings mit, »derzeit« keine digitale Version zu planen. Vermutlich müssen dazu noch weitere 15 Jahre ins Land gehen.

11.8.2011

Schloß Gripsholm und das Rätsel des Polysandrions

Es ist 80 Jahre her, dass Tucholsky seine Sommergeschichte Schloß Gripsholm veröffentlichte. Seine Leser führte er darin in mancher Hinsicht an der Nase herum. Der Briefwechsel mit Verleger Rowohlt? Glatt erfunden. Übernachtung im Schloss? Dichterische Freiheit. Und seine Prinzessin, die Sekretärin Lydia? Die gebe es »nun aber gar nicht«, schrieb Tucholsky einst an einen Leser und schob seufzend hinterher: »Ja, es ist sehr schade.« Eine Episode jedoch, die der reinen Fantasie des Autors entsprungen zu sein schien, ist aber viel realer als jahrzehntelang geglaubt. Auf der Fahrt nach Schweden machten die Prinzessin und Tucholsky alias Daddy Station in Kopenhagen, wo er plötzlich einen Einfall hatte:

»Lydia!« rief ich, »Lydia! Beinah hätt ich es vergessen! Wir müssen uns das Polysandrion ansehn!« – »Das … was?« – »Das Polysandrion! Das mußt du sehn. Komm mit.« Es war ein langer Spaziergang, denn dieses kleine Museum lag weit draußen vor der Stadt.
»Was ist das?« fragte die Prinzessin.
»Du wirst ja sehn«, sagte ich.

Es ist schwer zu sagen, wie viele der Millionen Gripsholm-Leser sich in Kopenhagen schon auf die Spur des Polysandrions begeben haben. Fündig geworden ist dort niemand. Selbst im Kommentar der Gesamtausgabe, Band 14, heißt es nur lapidar: »Dazu nichts ermittelt.« Dabei hat Tucholsky selbst schon einige Andeutungen gemacht, was es mit Haus auf sich hat und wo das merkwürdige Gebäude zu finden sein sollte.

»Da haben sich zwei Balten ein Haus gebaut. Und der eine, Polysander von Kuckers zu Tiesenhausen, ein baltischer Baron, vermeint, malen zu können. Das kann er aber nicht.« – »Und deshalb gehn wir soweit?« – »Nein, deshalb nicht. Er kann also nicht malen, malt aber doch – und zwar malt er immerzu dasselbe, seine Jugendträume: Jünglinge … und vor allem Schmetterlinge.« – »Ja, darf er denn das?« fragte die Prinzessin. »Frag ihn … er wird da sein. Wenn er sich nicht zeigt, dann erklärt uns sein Freund die ganze Historie. Denn erklärt muß sie werden. Es ist wundervoll.« – »Ist es denn wenigstens unanständig?« – »Führte ich dich dann hin, mein schwarzes Glück?«

Da stand die kleine Villa – sie war nicht schön und paßte auch gar nicht in den Norden; man hätte sie viel eher im Süden, in Oberitalien oder dortherum vermutet … Wir traten ein.

»Oberitalien« ist schon ganz gut. Aber »dortherum« passt noch besser. Denn das reale Vorbild der Lydia, Tucholskys Geliebte Lisa Matthias, besaß ein Ferienhaus im Schweizer Kanton Tessin. Mehrere Male hielten sich die beiden dort in Lugano auf. Zudem verbrachte Tucholsky im Sommer 1930 einige Wochen in Locarno und Brissago. Genug Gelegenheit, das wirkliche Polysandrion kennenzulernen. In Gripsholm beschreibt er es als ein künstlerisches Kuriosum:

Die Prinzessin machte große Kulleraugen, und ich sah das Polysandrion zum zweiten Mal.

Hier war ein Traum Wahrheit geworden – Gott behüte uns davor! Der brave Polysander hatte etwa vierzig Quadratkilometer teurer Leinwand voll gemalt, und da standen und ruhten nun die Jünglinge, da schwebten und tanzten sie, und es war immer derselbe, immer derselbe. Blaßrosa, blau und gelb; vorn waren die Jünglinge, und hinten war die Perspektive.

»Die Schmetterlinge!« rief Lydia und faßte meine Hand. »Ich flehe dich an«, sagte ich, »nicht so laut! Hinter uns kriecht die Aufwärterin herum, und die erzählt nachher alles dem Herrn Maler. Wir wollen ihm doch nicht weh tun.« Wirklich: die Schmetterlinge. Sie gaukelten in der gemalten Luft, sie hatten sich auf die runden Schultern der Jünglinge gesetzt, und während wir bisher geglaubt hatten, Schmetterlinge ruhten am liebsten auf Blüten, so erwies sich das nun als ein Irrtum: diese hier saßen den Jünglingen mit Vorliebe auf dem Popo. Es war sehr lyrisch.

»Nun bitte ich dich …«, sagte die Prinzessin. »Still!« sagte ich. »Der Freund!« Es erschien der Freund des Malers, ein ältlicher, sympathisch aussehender Mann; er war bravbürgerlich angezogen, doch schien es, als verachtete er die grauen Kleider unsres grauen Jahrhunderts, und der Anzug vergalt ihm das. Er sah aus wie ein Ephebe a.D. Murmelnd stellte er sich vor und begann zu erklären. Vor einem Jüngling, der stramm mit Schwert und Schmetterling dastand und die Rechte wie zum Gruß an sein Haupt gelegt hatte, sprach der Freund in schönstem baltischem Tonfall, singend und mit allen rollenden Rrrs: »Was Sie hier sehn, ist der völlich verjäistichte Militarrismus!« Ich wendete mich ab – vor Erschütterung. Und wir sahen tanzende Knaben, sie trugen Matrosenanzüge mit Klappkragen, und ihnen zu Häupten hing eine kleine Lampe mit Bommelfransen, solch eine, wie sie in den Korridoren hängen –: ein möbliertes Gefilde der Seligen. Hier war ein Paradies aufgeblüht, von dem so viele Seelenfreunde des Malers ein Eckchen in der Seele trugen; ob es nun die ungerechte Verfolgung war oder was immer: wenn sie schwärmten, dann schwärmten sie in sanftem Himmelblau, sozusagen blausa. Und taten sich sehr viel darauf zu gute. Und an einer Wand hing die Photographie des Künstlers aus seiner italienischen Zeit; er war nur mit Sandalen und einem Hoihotoho-Speer bekleidet. Man trug also Bauch in Capri.

»Da bleibt einem ja die Luft weg!« sagte die Prinzessin, als wir draußen waren. »Die sind doch keineswegs alle so …?« – »Nein, die Gattung darf man das nicht entgelten lassen. Das Haus ist ein stehen gebliebenes Plüschsofa aus den neunziger Jahren; keineswegs sind sie alle so. Der Mann hätte seine Schokoladenbildchen gradesogut mit kleinen Feen und Gnomen bevölkern können … Aber denk dir nur mal ein ganzes Museum mit solch realisierten Wunschträumen – das müßte schön sein!«
»Und dann ist es so … blutärmlich!« sagte die Prinzessin. »Na, jeder sein eigner Unterleib! Und daraufhin wollen wir wohl einen Schnaps trinken!« Das taten wir.

Um den Erhalt des »Polysandrions« kümmert sich unter anderem der Schweizer Kunsthistoriker Rolf Thalmann. Er machte die Tucholsky-Gesellschaft auf das Museum aufmerksam, – und um das Rätsel endlich aufzulösen – das eigentlich »Sanctuarium Artis Elisarion« heißt. Thalmann schreibt:

In Wirklichkeit stand dieses Gebäude in Minusio bei Locarno im schweizerischen Kanton Tessin, und Tucholsky hat es nach mindestens mündlicher Überlieferung zweimal besucht, bevor er es in seiner Sommergeschichte »würdigte«. Die Erbauer waren tatsächlich zwei Balten, Elisàr von Kupffer (1872–1942), von dem die Bilder stammten, und Eduard von Mayer (1873–1960).

Nach längerer Pause soll das »Centro d’arte Elisarion« neu belebt werden. Den Auftakt bildet diesen Herbst eine Ausstellung des fotografischen Nachlasses der beiden Besitzer, der mit Hilfe verschiedener Organisationen gesichert worden ist. Er dokumentiert gleichzeitig den ursprünglichen Zustand des 1926 eröffneten Hauses, in dem das bereits 1924 gemalte Rundbild »Klarwelt der Seligen« eingebaut wurde. Die Ausstellung wird am 16. September eröffnet.
Wer sich bereits vorher über das Vorbild des Polysandrions orientieren will, dem stehen zwei hervorragende Quellen zur Verfügung:
– ein Buch von Fabio Ricci: Ritter, Tod & Eros. Die Kunst Elisàr von Kupffers (1872-1942), Köln Weimar Wien (Böhlau) 2007
– die Website www.elisarion.ch

Nachdem nun geklärt ist, wo sich das ominöse Polysandrion befindet, stellen sich weitere Fragen: Warum hat Tucholsky dieses Gebäude so verfremdet? Und warum hat er die Beschreibung in Schloß Gripsholm verwertet und nicht in einem Text in der Weltbühne oder anderen Medien?

Eine Erklärung könnte sein: Tucholsky fand das Ganze künstlerisch genauso despektierlich, wie er es beschrieben hat. Aber er wollte die Maler und deren Homosexualität nicht bloßstellen und verschlüsselte daher ihre Identität. Dies wäre natürlich in einem Zeitschriftenbeitrag nicht so leicht möglich gewesen. Und seine zeitgenössischen Leser? Konnte Tucholsky erwarten, dass sie seine Anspielungen verstanden? Vermutlich nicht. In der Weltbühne werden Kupffer und sein Elisarion nie erwähnt, in der Vossischen Zeitung nur einmal. Dort hieß es am 7. März 1931 über ihn:

Elisarion sei ein streng logischer Kosmo-Lyriker, dessen Gedichte an die leidende Menschheit, dessen Schau des verklärten Seins, dessen Drama »Feuer im Osten«, dessen Lebenswerk »die Klarwelt der Seligen« uns neue Offenbarungen über die kosmischen Jahreszeiten des Menschentums bringen sollen, indem sie Kraft des Mannes mit Anmut des Weibes vereinigen.

Vermutlich verstanden wenige Eingeweihte, wer mit »Polysander von Kuckers zu Tiesenhausen« gemeint war. Die anderen irrten stunden- oder tagelang durch Kopenhagen auf der Suche nach einem Museum, das gar nicht in den Norden passte.

25.7.2011

Wirre Welten

Wie haben linke Journalisten und Schriftsteller in der Weimarer Republik den Nationalsozialismus bekämpft? Warum sind sie gescheitert? Mit diesen Fragen beschäftigte sich vor einiger Zeit eine Tagung der Tucholsky-Gesellschaft. Warum schafften es auch brillante Autoren wie Tucholsky und standhafte Journalisten wie Carl von Ossietzky nicht, dem Aufstieg der Nazis etwas entgegenzusetzen? Eine durchaus selbstkritische Analyse des verlorenen Kampfes fand sich schon damals in der Weltbühne. Im November 1932 schrieb Walther Karsch, der spätere Mitbegründer des Berliner Tagesspiegels, unter anderem:

Die Linke hat es sich selbst zuzuschreiben, daß sich das Gift der Ideen, Theorien und Argumente der Gegner ungehindert ausbreiten und die Gehirne vernebeln konnte. Wie selten traf man vor dem September 1930 auf eine Arbeit, die den Versuch unternahm, den Feind in seinem Hause aufzusuchen, ihn so zu zeichnen, wie er war, und dann sein politisches Gebäude anzubohren. Jetzt endlich bequemt man sich dazu, näher und ernsthaft auf diese Fragen einzugehen.

Walther Karsch: »Die Linke hat Schuld«, in: Die Weltbühne, 28. Jg., Nr. 45 (8.11.1932), S. 697–698

Trifft dieser Vorwurf auch heutige Journalisten, die sich mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigen? Schon möglich, aber mit Sicherheit nicht die Autoren Astrid Geisler und Christoph Schultheis. Die beiden haben sich für ihr Buch Heile Welten — Rechter Alltag in Deutschland ausführlich mit dem weiten Spektrum rechtsextremer Tendenzen in Deutschland auseinandergesetzt. Und haben keine Mühe gescheut, »den Feind in seinem Hause aufzusuchen«. Dazu gehört beispielsweise die engagierte »Tante Ines vom Spielplatz«, die ihre völkischen Ideen auch als Elternsprecherin und Schöffin vertritt. Oder den Gründer des Internetportals Politically Incorrect, Stefan Herre, »eine der Leitfiguren der deutschen Islam-Gegner, einer illustren, politisch unübersichtlichen Szene, die bis in rechtsextreme Kreise reicht«.

Der Tenor des Buches: Anders als meist geglaubt wird, ist der »Kampf gegen Rechts« häufig keine Erfolgsgeschichte, haben die Rechten oft einen langen Atem in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner. Gezeigt wird das am Beispiel Delmenhorst, wo die Bürger im Jahr 2006 erfolgreich den Verkauf eines Hotels an den Neonazi Jürgen Rieger verhinderten. Doch inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Das mit viel Spendengeld gekaufte Hotel wurde längst abgerissen, die Neonazis sind in der Stadt jedoch präsenter denn je.

Walther Karsch mahnte 1932:

Mochten sie nun Hitler oder Hugenberg, Goebbels oder Hussong, Müller oder Schulze heißen, die meisten Auslassungen der Linken ließen diese Figuren als mehr oder minder große Trottel erscheinen. Jetzt sind diese »Trottel« auf einmal an der Macht oder bedenklich in ihre Nähe gerückt.

Nach der Lektüre von Heile Welten hat zwar man nicht den Eindruck, als könnten die Herres und Schreibers bedenklich in die Nähe der Macht rücken. Aber es lässt sich, wie von den Autoren behauptet, kaum leugnen, dass sich

in ganz Deutschland eine Subkultur etabliert [hat], die sich nach außen bürgerlich gibt, tatsächlich aber für eine rassistische und nationalistische Gesellschaft kämpft.

Welche Folgen das haben kann? Es bleibt sehr zu hoffen, dass sich nicht auch in Deutschland unter solchem Einfluss die Gehirne vernebeln.

Astrid Geisler, Christoph Schultheis: Heile Welten – Rechter Alltag in Deutschland, 224 Seiten. Klappenbroschur,
€ 15,90 [D] / sFR 23,90 [CH] / € 16,40 [A] (ISBN 978-3-446-23578-6)
Auch als E-Book (978-3-446-23699-8, € 11,99 [D]) erhältlich.
© Carl Hanser Verlag München

1.4.2011

Die Bibliothekssuche und ihre Wirkungen

Es ist nicht gerade eine Sensation, die das Oberlandesgericht Jena ganz knapp vor dem 1. April verkündete. Bei der Erfassung des historischen Bibliotheksbestandes stießen die Mitarbeiter auf eine Dissertation, die weniger wegen ihres wissenschaftlichen Wertes interessant ist. Die Vormerkung aus § 1179 BGB und ihre Wirkungen hatte Kurt Tucholsky zum Verfasser, und ihre Entstehungsgeschichte war nicht gerade ein Ruhmesblatt für den Mann mit den 5 PS und dem fehlenden Studienelan. Nun ist in Jena also ein weiteres Exemplar dieser Arbeit aufgetaucht.

Das Gericht freut sich über den »tollen Fund«. Von den Pflichtexemplaren, die Tucholsky damals drucken ließ, sind nur noch wenige erhalten:

Die in den Beständen der Historischen OLG-Bibliothek gefundene Dissertation des berühmten Publizisten und Schriftstellers ist eine echte Rarität. Sie ist in keiner anderen Thüringer Bibliothek nachgewiesen; auch nicht im Buchbestand der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im Bereich des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV), in dem neben den Bibliotheken Thüringens die Bibliotheken des Saarlandes, Niedersachsens, Berlins, Bremens, Hamburgs, Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts ihre Bestände erfassen, liegt die Dissertation nur in den Universitätsbibliotheken Göttingen, Hamburg und Osnabrück sowie in der Staatsbibliothek Berlin vor.

Hinzu kommen noch zwei Exemplare im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, so das es zusammen nun sieben davon geben dürfte. Aber ganz gleich wie viele davon noch auftauchen: Lesbarer wird der Text dadurch nicht.

8.3.2011

Tucholsky spricht

Was mag Fritz J. Raddatz wohl dazu bewogen haben, nach der erschöpfenden Aufarbeitung des Themas »Tucholsky und die Frauen« durch Klaus Bellin noch eine eigene Betrachtung dazu vorzulegen? Hat Bellin vielleicht zu ausgewogen berichtet? Die Bedeutung von Mary Gerold für Tucholskys Leben nicht gebührend gewürdigt? Falsche Behauptungen aufgestellt? Gar nichts von alldem. Dennoch sah Raddatz sich bemüßigt, die »bewegende Geschichte« zwischen Tucholsky und seiner zweiten Ehefrau Mary Gerold noch einmal zu beleuchten. Dass sein kleines Büchlein Tucholsky. Eine biografische Momentaufnahme überhaupt die Lektüre lohnt, liegt daran, dass eine bislang kaum in Erscheinung getretene Autorin darin ausführlich zu Wort kommt: Mary Gerold.

Es ist nicht so, dass Marys Tagebücher und Briefe noch nicht für die Forschung ausgewertet wurden. Michael Hepp zitiert in seiner Tucholsky-Biographie daraus, auch Bellin wertet sie ausführlich aus. Raddatz, Herr des Geroldschen Privatnachlasses, macht es hingegen ganz einfach: Auf gut 50 Seiten druckt er Marys Tagebuchnotizen vom 11. November 1917 bis zum 24. April 1918 in langen Auszügen ab. Vom Sonntag der ersten Begegnung mit Tucholsky in Alt-Autz bis zum Mittwoch ihrer ersten längeren Trennung, als der angehende Feldpolizist nach Rumänien abkommandiert wurde.

Es ist anzunehmen, dass Mary Gerold der ausführlichen Wiedergabe dieser Tagebücher nie zugestimmt hätte. Sie war immer darauf bedacht, ganz hinter Tucholsky zurückzutreten. Was Raddatz dazu bewogen hat, nach der Veröffentlichung seiner eigenen Tagebücher nun auch die seiner langjährigen Vertrauten zu publizieren, lässt er im Unklaren. Zu ihren Lebzeiten kostete es ihn noch viel Überzeugungsarbeit, die Freigabe für Tucholskys an sie gerichtete Briefe zu erhalten. Nun kann Raddatz selbst als Vorsitzender der Tucholsky-Stiftung über ihren Nachlass verfügen. Und entschied sich mehr als 20 Jahre nach Mary Gerolds Tod für die Publikation.

Trotz aller Bedenken sind die Aufzeichnungen zweifellos interessant. Mary gibt fast stenografisch die Dialoge wieder, in denen die beiden Verliebten um ihre Beziehung rangen. Tucholsky, bislang nur durch seine Texte und Briefe zu erfahren, tritt nun als Sprecher auf. »Wir werden bei der Lektüre der Tagebuchaufzeichnungen zu einer Art Theaterpublikum«, bemerkt Raddatz. In der Tat: Wir hören den werbenden Tucholsky, der unermüdlich auf die nicht minder entflammte Mary einredet, die sich jedoch aus ihr selbst kaum verständlichen Gründen abweisend gibt. Der bereits 28 Jahre alte, sich welterfahren und abgeklärt gebende Tucholsky lässt hingegen nicht nach, wendet sämtliche Eroberungskünste an, um doch noch bei der gerade 19 Jahre alt gewordenen Baltin zu landen. Das gelingt ihm schließlich. Doch der Romanze auf dem »östlichen Kriegsschauplatz« ist kein Happy End bestimmt. Mary glaubt nach einigen Monaten noch immer, dass Tucholskys Karriere ohne sie besser vorankommt. Und lässt ihn scheinbar leichten Herzens, aber am Ende dennoch tieftraurig ziehen.

Bewegend, wie sie die letzten Tage ihrer gemeinsamen Zeit in Alt-Autz schildert (Tucholsky spricht Mary auch mit Er an):

Freitag, 19. April 1918

Es ist 11 Uhr vormittags. Da kommt er plötzlich herein. Steht da, sagt kein Wort …

»Ich möchte dich bitten, dich Sonnabend und Sonntag mir ganz zu widmen.« –

»Warum?« –

»Du weißt schon!«

Ich sah ihn an – und wußte es …

»Ich war eben bei Hartmann, auf 4, nein 5 Tage habe ich es aufgeschoben …«

Er ging. Ich zitterte. Doch ich beherrschte mich, biß die Zähne zusammen, schluckte die Tränen herunter. Keiner soll wissen, wie es in mir ausschaut – keiner. Mögen sie mich für kalt, herzlos halten, alles, alles, was sie wollen, was geht mich das an? Es ist leichter, sich in Schmerzensausbrüchen zu ergehen – als es zu verbeißen. Ich will nicht bemitleidet werden, ich will nicht, daß man mich zu trösten versucht, mich behandelt wie eine Kranke – nur das nicht! Ich werde lachen, wenn mein Ich auch zu einer Grimasse verzerrt wird. Keiner soll es wissen. – Keiner.

Ich danke dir, was du mir gabst, was du aus mir gemacht. Es soll nicht sein. – Gut. –

Zeit, lindere meinen Schmerz, gib mir Kraft und meine Ruhe wieder! Er holte mich mittags zum Spaziergang ab.

»Was hat Er nur? Er ist so still, so dumm?«

»Gar nichts! – Was soll ich haben?«

»Er ist so fremd, sechs Meter weit.«

Es fing an zu regnen, wir flüchteten in eine Scheune. Nach einer Weile klärte es sich wieder auf, wir gingen weiter, trafen M. zu Pferde, sprachen ein paar Worte mit ihm. »Jetzt ist der Matz wieder da!« – Und wir gingen und er erging sich in Nachahmungen meiner Gutturallaute. Plötzlich: »Jetzt gehe ich zum Kardinalpunkt über: wird Er mir schreiben?« – »Nein!« – »Was?« – er blieb stehen, »willst du mir das nicht näher erklären?« – »Wozu?« – »Das wußte ich, daß das kommen würde – wozu? – weil mir das ein Herzensbedürfnis ist – darf ich Ihm auch nicht schreiben?«

Ich schüttelte den Kopf. Wir waren beide aufgeregt.

»Warum nicht? Also Dienstag darf ich dir noch die Hand streicheln, darf dich küssen – und Donnerstag kennen wir uns nicht mehr? – Ja was war denn das zwischen uns? Eine nette kleine Abwechslung? Ich kann auch so, doch du bist mir zu wertvoll dazu. Ein Spiel, das man morgen vergessen hat?«

Ich gehe – ich will später wiederkommen. Unschlüssig, ob den Weg zur Kirche oder den nach Hause zu nehmen, gehe ich schließlich nach Hause. Ich gehe langsam. Da höre ich plötzlich wieder seine Stimme. Er kommt mir nach. »Guten Abend, wohin gehst du?«

»Nach Hause.«

»Und wolltest nicht mehr zurückkommen?«

»Ja, ich wollte zurückkommen!«

Ich ging ins Heim, er wartete, und dann machten wir eine Runde und gingen zu ihm. Er sah mich an. Ich sah zur untergehenden Sonne. »Nun, hast du es dir überlegt?« Ich antwortete nichts. »Meinst du, ich kann dich noch 64-mal fragen? – dadurch, daß du ablehnst zu schreiben, ziehst du die ganze Sache in den Dreck und überläßt es mir, meine Schlüsse zu ziehen, die ich mir ziehen muß. – Irgendjemand kannst du schreiben, mir nicht!«

»Ja … irgendjemand, ja.«

»Ja, findest du es nicht der Mühe wert zu schreiben?«

»Nein, das nicht …«

»Ja, also was soll es dann?« Wir waren angekommen. Ich ging durch die Hoftür hinein. Er sprach noch mit Lunk. Ich stand da, zog meine Jacke nicht aus. Er kam herein.

»Wirst du nicht so freundlich sein und ablegen?«

Ich zog meine Jacke aus – sah ihn nicht an und ging zum Ofen. Da packte er mich … »Warum quälst du uns beide, es ist schon schwer genug. Meinst du, daß ich dich aufwühlen würde mit meinen Briefen, ich werde das gar nicht schreiben, denn es würde mich auch zu sehr aufwühlen.« Erlösende Tränen rannen mir über die Wangen.

»Mätzchen, du wirst es noch sehr schwer haben durch deine übergroße Zurückhaltung.« Ich schluckte mit Mühe meine Tränen herunter. »Du frißt alles in dich hinein, damit der andere nur ja nichts davon merkt – davor braucht man sich doch nicht zu schämen – ich bin sicher, daß du mir nur den 20. Teil deiner Empfindungen gezeigt hast. – Mätzchen, wirst du schreiben?« Ich küßte ihn.

Wir saßen auf dem Sofa, die Tränen rannen mir über die Wangen. »Mätzchen, Liebe kann aufhören, aber Freundschaft nicht, so wie sie bei uns ist – es gibt Frauen, die vergißt man total – und solche, bei denen man noch nach Jahren ein dumpfes Gefühl hat. Mätzchen, wenn ich dich nach Jahren wiedersehe, wie du dich auch verändert haben solltest, ich werde dich doch wiedererkennen, und wenn ich ein 90-jähriger Greis bin, so werde ich doch immer wissen, wie lieb ich dich gehabt. – Du Affe … Du wirst noch Männer nach mir lieben, und sie werden dich lieben, es ist möglich, daß sie dich verstehen werden – aber Mätzchen, einmal haben ein Mann und eine Frau lückenlos zueinandergepaßt – und das kommt so selten, so überaus selten vor. Mätzchen, wenn du mir schon nicht treu bleiben wirst, bleib dir treu …« Ich hatte ihn rasend lieb. »Du hast einen Mann für eine Zeit für Frauen unbrauchbar gemacht – Herrgott, eine Brust, das hat eine jede – aber es singt nicht.« Wir saßen still nebeneinander – es war eine beseligende Stille.

Die ausführlichen Zitate sollen Raddatz‘ Grundthese belegen, dass »die Begegnung mit Mary, die Beziehung zu ihr, für Kurt Tucholsky von so ganz und gar einmaliger, existentieller Bedeutung war«. Dass diese Liebe dennoch scheiterte, habe daran gelegen, dass Tucholsky als Partnerin einen Mann wollte, der nachts eine Frau ist: tagsüber ein wohlmeinender Ratgeber und Kamerad, nachts die heißblütige Geliebte. Mary Gerold sei für ihn leider nicht die nächtliche Geliebte, sondern nur die Kampfgefährtin gewesen. »Einzig mit ihr«, behauptet Raddatz, »hat er über seine Arbeit gesprochen, sie ganz einbezogen in seine Textproduktion.« Das trifft nun sicher nicht zu. Marys »Nachfolgerin«, die Berliner Journalistin Lisa Matthias, berichtet ausführlich in ihren Lebenserinnerungen Ich war Tucholskys Lottchen über Gespräche, die sich um Gedichte, Artikel und Bücher aus seiner Produktion drehten. Immerhin adelt Raddatz diese Beziehung, die er vorher stets ausblendete, in seinem neuen Buch als »ernsthafte Liaison«. Die vielleicht größte Sensation des Buches. Auch hat er Briefe von Lisa Matthias ausgewertet, die bislang nach seinen Angaben noch nicht veröffentlicht wurden. In denen wird Matthias recht deutlich:

[…] er wundert sich nun und brüllt und schimpft, dass ich nicht heiterste Miene zu all dem mache und dass ich kaltschnäuzig ziemlich eindeutige Gemeinheiten sage und dass ich keine Lust zum vögeln habe. Die Sache ist doch die. Ich bin nicht ausgehungert genug um nur des Vögelns wegen Freude an dem Betrieb zu haben

Noch im Jahr 1931 habe sie an Tucholskys Freund Karlchen geschrieben:

Ich will nicht seinen Zusammenbruch – ich sehe ihn […] Er ist und bleibt verhurt.

Dann ist das Buch im Grunde auch schon zu Ende. Im Mittelteil gibt es noch eine längere Abhandlung über Tucholskys Streit mit Karl Kraus. Raddatz verweist zuvor darauf, dass Mary Gerold zu diesem Streit eine eigene Mappe angelegt habe. Was dies mit der Beziehung zwischen Mary und Tucholsky zu tun hat, erschließt sich jedoch nicht.

Auch an anderen Stellen merkt man, dass man es mit einem echten Raddatz zu tun hat. So stirbt Siegfried Jacobsohn bei ihm am 9. Dezember 1926, anstatt am 3. Dezember. Ebenso verweigert Schweden Tucholsky die Einbürgerung (die er nie beantragt hat). Dann, als Höhepunkt, nimmt Tucholsky bei Raddatz seine tödliche Überdosis Schlafmittel am 19. Dezember 1935 und stirbt zwei Tage später im Krankenhaus. Eine falsche Behauptung, die schon 1986 als solche entlarvt wurde (Tucholsky nahm die Überdosis in der Nacht zum 21. und starb am selben Tag). Dass Raddatz auf dem Buchumschlag als »bester Kenner« Tucholskys ausgewiesen wird, darf ohnehin nur deshalb ungestraft behauptet werden, weil Michael Hepp und Antje Bonitz leider schon gestorben sind. Aber diese hatten sicher auch keinen von Tucholsky an Mary geschenkten Marmoraschbecher auf ihrem Schreibtisch stehen.


Fritz J. Raddatz: Tucholsky. Eine biografische Momentaufnahme, Herder-Verlag, Freiburg 2010, 144 S. 12,95 Euro

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